Der Traum vom gelben Luftpumpenfeld.

 

Sie sammeln seit 20 Jahren Luftpumpen.  30 000 sollen es werden. Ist das nicht ein bisschen viel? Wieviele Luftpumpen haben Sie denn schon?

 

Die Polizei in Münster hat mir 1999 beim Sammeln geholfen und laut Polizeibericht 3 500 Luftpumpen für mich in Gewahrsam genommen. Die dürften sich allerdings dort inzwischen verflüchtigt haben. Sozusagen in Luft aufgelöst und ab durch die Gitterstäbe. Über tausend Luftpumpe habe ich selbst gesammelt. An ihnen hat allerdings inzwischen der Zahn meines Garten genagt. Die sehen jetzt nicht mehr gelb aus sondern und algengrün...

 

  

 

Ob Grün oder Gelb oder Rot, ist das nicht egal?

 

Nein, das Weizenfeld von van Gogh, in dem er sich erschossen hat, war schließlich auch gelb. Das will ich aus gelben Luftpumpen rekonstruieren und seinen Geist aus dem Luftpumpenfeld dann auferstehen lassen. Aber zurück zu der ersten Frage. 30 00 Luftpumpen ergeben gerade mal ein Feld von 150 Quadratmeter. Das ist  nur Vorgartengröße, passt dafür aber auf jede Bühne. Daraus kann man den Geist von van Gogh auch prima auferstehen lassen. Vielleicht sollte man ein Musical daraus machen. Habe gerade ein altes Lied von Udo Jürgens gehört: „Traumtänzer“. Da heißt es „Ich möcht die Bilder von Van Gogh vertonen, die Roggenfelder, die in Flammen steh'n.“ Werde mal bei ihm anfragen, ob er auch den Geist vertonen möchte.

 

Warum soll denn ausgerechnet der Geist von van Gogh auferstehen?

 

An Vincent van Gogh kommt kein Maler vorbei. Das ich ein Maler bin, weiß ich nicht erst seit meinem Guinnessrekord für die längsten abstrakten Bildfolge. Das war 1985. Van Gogh hat mich schon in der Schulzeit stark beeinflusst. Was ich unter Qualität verstehe, vor allem die Authentizität, das habe ich bei ihm abgeschaut. Diesen Geist vermisse ich heute in der Kunst. Das kommt mir alles zu gedrechselt daher, zu wenig lebensnah. Es lohnt sich mal darüber nachzudenken. Also kann man das Verständnis für Kunst doch an einer Luftpumpe erproben. Das versuche ich ja deutlich zumachen, zu beweisen.  Vor über 20 Jahren habe ich genau das Gegenteil gelesen. Das hat mich dann zu dieser Aktion veranlasst. Das Luftpumpenfeld ist meine Reaktion auf den Spruch damals. „Wir kämen auch nicht auf die Idee, das Verständnis für Kunst an einer Luftpumpe zu erproben:“

 

Glauben Sie, dass dies irgendjemand versteht?

 

Keine Ahnung, jedenfalls wurden mir ja in der Vergangenheit doch eine Menge Luftpumpen gespendet. Viele Künstler scheuen ja diese Art Rückkopplung. Natürlich gefällt mir die Rolle eines unverstandenen Künstlers nicht. Weil ich ja ganz bewusst meine Mitmenschen mit einbeziehe und nicht im Elfenbeinturm arbeite. Meine Botschaft an sich ist ganz einfach. Finde zunächst einmal heraus, was für Dich wichtig ist, was du z.B. wirklich malen oder gestalten willst. Mach es einfach und messe dann das Ergebnis an Deinen Vorstellungen. Jedem ist es dabei völlig selbst überlassen, ob er als Filter das vorhandene Spektrum seiner Fähigkeiten einsetzt und sich dadurch in der Auswahl beschränkt oder bereit ist, dazuzulernen.

 

Bin ja gerade dabei, dazuzulernen. Aber was haben Luftpumpen mit Klimaschutz zu tun? Sie fordern die Besucher der Fahrradmesse in Essen doch auf, Ihnen Ihre Luftpumpe für den Klimaschutz zur Verfügung zu stellen.

 

Klimaschutz ist wichtig. Gesundheit ist wichtig. Ein Klimaexperte bin ich nicht. Von Gesundheit verstehe ich etwas mehr. Leider habe ich das Gefühl, dass unserer Gesellschaft manchen unwichtigen Dingen viel eher ein Denkmal setzt, wenn auch mehr in einem übertragenen Sinn. Wenn ich mit dem Klimaschutz ein aktuelles Thema aufgreife, dann will ich damit nur sagen, man kann mir aus vielen guten Gründen eine Luftpumpe spenden. Für mich ist es wichtig, dass ich am Ende die Luftpumpe, die 30 000 Luftpumpen oder mehr tatsächlich bekomme und das Feld bauen kann. Das Luftpumpenfeld ist wie jedes andere Werk auch mehrdeutig und erhält auch im Auge des Betrachters einen eigenen Sinn. Ist ganz O.K. Oder es wird -abhängig vom Informationsgrad- mehr oder weniger als Unsinn verstanden. Auch O.K. Darauf habe ich keinen Einfluss. Genauso wenig hat man selbst darauf Einfluss, ob etwas Kunst wird oder nicht. Ist auch völlig unwichtig. Missverständnisse gehören eben dazu.

 

Sie haben das Feld als Projektvorschlag für Ruhr 2010 eingereicht. Haben Sie schon irgendetwas gehört?

 

Nein. Kann deshalb nicht sagen, ob jemand meine Begeisterung für das Projekt teilt. Also versuche ich, dieses Feld auf jeden Fall zu realisieren. Mit oder ohne offiziellen Segen. Mit wäre mir natürlich 30 000 mal lieber. Weil ich eben auch finde, dass sich dieses Projekt prima städteübergreifend in die ganze Geschichte einfügt. Jeder Bürger im Revier, mit oder ohne Migrationshintergrund, kann mit seiner Pumpe teilnehmen und noch seinen Enkeln davon erzählen, dass er bei Ruhr 2010 tatsächlich mit dabei war. Nicht nur pro forma. Das ist dann nachhaltig. Endlich mal wirklich eine Aktion zum anfassen, zum Mitmachen, ohne Schwellenängste oder gar Landesgrenzen. Das steht dann modellhaft für Europa. „Hochkultur“ auf die Straße zu bringen, wo wir uns doch durch unsere unverwechselbare Kultur darstellen wollen, halte ich dagegen für sehr gewagt. Passt doch gar nicht zu uns, sonst hätten wir es ja schon. Ist irgendwie aufgesetzt, unecht und phantasielos. Bei mir können die Bürger, groß oder klein, arm oder reich, jung oder alt Vorschläge einreichen, wie sie sich die Auferstehung des Geistes von van Gogh vorstellen. Darauf bin ich wirklich gespannt. Das kann man dann alles im Internet mitverfolgen. Da wird jeder, der mitmacht auch genannt, es sei denn, er will unerkannt bleiben. Für mich ist die Einladung zur Fahrradmesse 2008 nach Essen der Startschuss. Hoffentlich hören viele den Knall.

 

Ruhrlin. Kling irgendwie nach Berlin. Ist das denn originell?

 

Originalität interessiert mich nicht, Authentizität ist mir wichtig. Das soll das Luftpumpenfeld ja vermitteln. Originalität hat irgendwas mit Markenbewusstsein  und Markt  und Geld zu tun. So ist Ruhr.2010 eine Marke. Geschützt und auf ewig festgeschrieben. Kann praktisch sein oder auch nicht, weil es Kreativität und Spontaneität aussperrt. Man kann Kultur aus Angst vor einer vermeintlichen Blamage oder falschem Ehrgeiz zu Tode organisieren. Organisierte Spontaneität ist für mich ein Widerspruch und hier im Revier geschieht eben vieles spontan. Das soll man nicht verfälschen. Ruhrlin war so ein spontaner Einfall. Drückt nichts anders aus als Kulturhauptstadt an der Ruhr. Das Lin habe ich von unserer Hauptstadt Berlin geklaut. Vielleicht sollte man Kultur an der Ruhr fortan auch mit h schreiben. Kultuhr eben. Da kann man dann leicht Kultruhr draus machen. Es führen eben viele Wege nach Ruhrlin.

 

Es gibt dann da noch dieses Lied „Liebe, liebe Lin...“ Auch alles nur geklaut?

 

Also was den Text angeht, kann ich wirklich behaupten, dass der nicht geklaut ist. Den habe ich selbst geschrieben. Und Lou Portuondo singt auch selbst. Und dass sie das Lied selbst komponiert hat, nehme ich ihr auch ab. Aber ist das nicht toll, dass hier völlig ohne Auftrag, von der Basis schon ein Beitrag für Ruhr.2010 geleistet wird, der mitten aus dem Herzen unserer alten und neuen Kulturmetropole kommt? Nicht aus dem Studio sondern aus dem Wohnzimmer. Wird hier nicht schon ein Hauch von dem spürbar, was Ruhr.2010 nach eigenen Angaben als kulturelle Milieu eigentlich erst erzeugen will?  Kultur pur an der Ruhr, das ist unsere Natur. Ich sehe jedenfalls  keinen Grund, warum sich hier mein Traum von einem gelben Luftpumpenfeld nicht endlich erfüllen sollte. Bisher stoße ich nur auf positive Resonanz. Bitte aber noch keine Luftpumpen schicken sondern nur die Absichtserklärung, die man sich auch im Internet unter www.luftpumpenfeld.de herunterladen kann.